Eindrücke aus dem Training mit Sensei Christian
Es gibt Trainingsabende, die sich nicht nur in den Muskeln, sondern auch im Denken festsetzen. Das gestrige Training mit Sensei Christian Lonk war genau so einer: ruhig, konzentriert, forschend – und voller kleiner Momente, in denen Karate plötzlich mehr ist als Technik.
Christian beschreibt Karate als „Spiegel, in dem sich Lebensumstände und Seelenzustände abbilden“. Genau dieses Gefühl entstand heute, als wir uns einer Übung näherten, die im klassischen Shotokan eher selten vorkommt, aber eine faszinierende Tiefe hat: eine Art Karate‑Version der „klebenden Hände“.
Wenn Distanz verschwindet und Wahrnehmung beginnt
Normalerweise arbeiten wir im Karate klar strukturiert: Distanz, Linie, Technik. Doch sobald die Hände im Kontakt bleiben, entsteht etwas anderes.
Ein Gespräch ohne Worte. Ein Lauschen auf Druck, Richtung, Intention. Diese Form des Übens zwingt dazu, nicht nur zu sehen, sondern zu spüren. Nicht zu reagieren, sondern zu antworten. Nicht zu blocken, sondern zu verstehen. Es ist ein Training, das weich beginnt und hart endet – nicht körperlich, sondern gedanklich.

Christians Stil: Offenheit als Methode
Was dieses Training besonders macht, ist Christians Haltung. Er kommt aus dem Shotokan, hat aber über die Jahre viele Einflüsse integriert – vom Wettkampfkarate bis zu weicheren, weniger dogmatischen Stilen. Er sagt selbst, dass der Shi-Ko-Kai ein Ort ist, an dem „in großer Offenheit über Karate nachgedacht und geforscht wird“.
Genau das spürt man, wenn Übungen wie diese auftauchen:
Sie sind keine Abweichung, sondern eine Einladung.
Was bleibt
Die „klebenden Hände“ haben heute etwas verändert: Sie haben die Grenze zwischen Technik und Wahrnehmung ein Stück verschoben. Sie haben gezeigt, dass Karate nicht nur Schlagkraft, sondern auch Sensibilität ist.
Und sie haben daran erinnert, dass man im Dojo – wie Christian es beschreibt – tatsächlich am eigenen Karate und am eigenen Leben arbeiten kann.
Vielleicht ist das die eigentliche Magie dieses Abends:
Dass eine kleine Übung in der Nahdistanz plötzlich eine große Nähe zum Karate‑Do schafft.



